WordPress & Google Fonts DSGVO-konform: Deine Schritt-für-Schritt-Anleitung für 2025

Ein Kunde ruft an: “Ich habe gerade eine Abmahnung wegen Google Fonts bekommen – 250 Euro soll ich zahlen.” Seit dem Urteil des Landgerichts München im Januar 2022 ist klar: Wer Google Fonts direkt von Google-Servern lädt, gibt ohne Einwilligung IP-Adressen weiter. Das ist ein DSGVO-Verstoß. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Umsetzung bist du in 15 Minuten auf der sicheren Seite.

Warum Google Fonts ein DSGVO-Problem sind

Standardmäßig binden viele WordPress-Themes und Plugins Google Fonts direkt von den Google-Servern ein. Bei jedem Seitenaufruf wird dabei die IP-Adresse deiner Besucher an Google übertragen – personenbezogene Daten ohne Einwilligung in die USA. Das verstößt gegen Artikel 6 und 44 DSGVO.

Die rechtliche Situation heute:

  • IP-Adressen gelten als personenbezogene Daten
  • Die Übertragung in die USA erfordert eine Rechtsgrundlage
  • “Berechtigtes Interesse” reicht laut Gerichten nicht aus
  • Abmahnwellen haben seit 2022 deutlich zugenommen
  • Schadensersatzforderungen zwischen 100 und 250 Euro sind üblich

Die Lösung ist simpel: Du hostest die Schriftdateien auf deinem eigenen Server. Dann fließen keine Daten zu Google.

Prüfe zuerst: Lädt deine Website externe Fonts?

Bevor du handelst, solltest du wissen, ob überhaupt ein Problem besteht. Viele moderne Themes nutzen bereits System-Fonts oder binden Google Fonts lokal ein.

So findest du es heraus:

Öffne deine Website im Browser, drücke F12 für die Entwicklertools und wechsle zum Tab “Netzwerk” oder “Network”. Lade die Seite neu (F5) und filtere nach “fonts.googleapis.com” oder “fonts.gstatic.com”. Siehst du Einträge? Dann werden Fonts extern geladen.

Alternativ nutze Online-Tools wie den Google Fonts Checker von sicher3.de – einfach URL eingeben und prüfen lassen.

Lösung 1: Automatisch per Plugin (empfohlen für Einsteiger)

Für die meisten WordPress-Nutzer ist ein Plugin die schnellste und sicherste Methode. Diese Plugins erkennen automatisch alle Google Fonts auf deiner Website und ersetzen sie durch lokale Kopien.

OMGF (Optimize My Google Fonts) – Der Allrounder

Das Plugin OMGF ist kostenlos, wird regelmäßig aktualisiert und funktioniert mit fast allen Themes und Page Buildern.

So richtest du OMGF ein:

  1. Installiere das Plugin über WordPress-Dashboard → Plugins → Installieren
  2. Suche nach “OMGF” und aktiviere es
  3. Gehe zu Einstellungen → Optimize Google Fonts
  4. Klicke auf “Auto-Erkennung starten”
  5. Das Plugin scannt deine Seite und lädt alle Google Fonts herunter
  6. Die Fonts werden nun von deinem Server ausgeliefert

Wichtige Einstellungen:

  • Aktiviere “Remove Resource Hints” – entfernt Preconnects zu Google
  • Setze “Font-Display Strategy” auf “Swap” für bessere Ladezeiten
  • Prüfe unter “Detected Fonts”, ob alle Schriften erkannt wurden

Alternative: Perfmatters oder Asset CleanUp

Performance-Plugins wie Perfmatters (Premium) bieten ebenfalls die Möglichkeit, Google Fonts zu deaktivieren oder lokal einzubinden. Diese Option lohnt sich, wenn du ohnehin ein Performance-Plugin nutzt.

Lösung 2: Manuelle Einbindung (für fortgeschrittene Nutzer)

Wenn du volle Kontrolle möchtest oder ein Plugin vermeiden willst, kannst du Google Fonts manuell herunterladen und einbinden. Das erfordert etwas mehr technisches Verständnis, ist aber dauerhaft wartungsfrei.

Schritt 1: Fonts herunterladen

Besuche google-webfonts-helper.herokuapp.com (ein inoffizielles Tool von Mario Ranftl). Suche deine gewünschte Schriftart, wähle die benötigten Schriftschnitte (Regular, Bold, etc.) und lade das ZIP-Archiv herunter.

Du erhältst WOFF und WOFF2-Dateien – die modernen, komprimierten Formate, die von allen aktuellen Browsern unterstützt werden.

Schritt 2: Fonts auf deinen Server hochladen

Erstelle in deinem Theme-Ordner einen Unterordner /fonts. Der Pfad wäre dann: /wp-content/themes/dein-theme/fonts/

Lade die Schriftdateien per FTP oder über den WordPress-Media-Upload in diesen Ordner hoch.

Schritt 3: CSS-Code hinzufügen

Füge den @font-face-Code in deine style.css oder über den Customizer (Zusätzliches CSS) ein:

@font-face {
  font-family: 'Roboto';
  font-style: normal;
  font-weight: 400;
  font-display: swap;
  src: url('/wp-content/themes/dein-theme/fonts/roboto-v30-latin-regular.woff2') format('woff2');
}

Der google-webfonts-helper liefert dir den fertigen CSS-Code – du musst nur noch den Pfad anpassen.

Schritt 4: Externe Google Fonts blockieren

Damit dein Theme oder Plugins nicht weiterhin Google Fonts nachladen, füge diesen Code in die functions.php deines Child-Themes ein:

function remove_google_fonts() {
  wp_dequeue_style('google-fonts');
}
add_action('wp_enqueue_scripts', 'remove_google_fonts', 100);

Das entfernt die meisten automatischen Einbindungen. Bei hartnäckigen Themes kann zusätzlich ein Plugin wie “Disable Google Fonts” helfen.

Sonderfälle: Page Builder und Plugin-Fonts

Page Builder wie Elementor, Divi oder WPBakery bringen oft eigene Google Fonts-Implementierungen mit.

Elementor: Gehe zu Elementor → Einstellungen → Features und deaktiviere “Google Fonts”. Lade dann deine Schriften lokal hoch und weise sie über “Custom Fonts” zu (erfordert Elementor Pro).

Divi: Nutze das Child-Theme und deaktiviere Google Fonts über die functions.php mit add_filter('et_use_google_fonts', '__return_false');

WooCommerce, Contact Form 7 & Co.: Diese Plugins laden manchmal eigene Fonts. OMGF erkennt sie meist automatisch. Alternativ prüfe in den Plugin-Einstellungen nach Optionen zur Schriftauswahl.

Nach der Umstellung: Diese 3 Punkte nicht vergessen

1. Erneut testen

Führe nach der Umstellung erneut einen Check durch (F12-Entwicklertools oder Online-Tool). Es sollten keine Verbindungen mehr zu fonts.googleapis.com oder fonts.gstatic.com existieren.

2. Datenschutzerklärung anpassen

Entferne den Hinweis auf Google Fonts aus deiner Datenschutzerklärung oder passe ihn an: “Diese Website verwendet lokal gehostete Schriftarten. Es werden keine Daten an externe Server übermittelt.”

3. Performance prüfen

Lokale Fonts können die Ladezeit minimal beeinflussen. Nutze PageSpeed Insights oder GTmetrix, um zu prüfen, ob alles optimal läuft. Mit font-display: swap stellst du sicher, dass Text sofort sichtbar ist.

Checkliste: DSGVO-konforme Google Fonts in 15 Minuten

  • ☐ Prüfe, ob deine Website externe Google Fonts lädt (F12 → Network)
  • ☐ Installiere OMGF oder lade Fonts manuell herunter
  • ☐ Führe Auto-Erkennung durch oder binde Fonts per CSS ein
  • ☐ Blockiere externe Font-Requests (Plugin oder functions.php)
  • ☐ Teste erneut mit Entwicklertools – keine Verbindung zu Google?
  • ☐ Aktualisiere deine Datenschutzerklärung
  • ☐ Prüfe die Website-Performance (PageSpeed Insights)
  • ☐ Dokumentiere die Änderung intern (z.B. für Kunden)

Dein nächster Schritt: Jetzt umsetzen

Die Umstellung auf lokale Google Fonts ist keine Raketenwissenschaft – aber sie ist rechtlich zwingend erforderlich. Mit OMGF bist du in wenigen Minuten fertig. Für die manuelle Variante plane maximal eine Stunde ein, inkl. Testing.

Meine Empfehlung: Beginne mit dem Test deiner Website. Nutze für die Umstellung OMGF, wenn du nicht täglich mit Code arbeitest. Für Kundenprojekte oder bei vielen Websites solltest du dir die manuelle Methode einmal aneignen – dann hast du sie für alle künftigen Projekte im Werkzeugkasten.

Hast du die Umstellung bereits hinter dir? Oder nutzt du von vornherein System-Fonts statt Google Fonts? Teil deine Erfahrungen gerne in den Kommentaren – besonders, wenn du auf ungewöhnliche Probleme gestoßen bist. Andere Website-Betreiber profitieren von deinem Wissen.

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